Die ersten 4 Minuten

23. Oktober 2015 , In: Kinder- und Jugendarbeit, Leben, Pädagogik , With: 18 Comments
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Eigentlich wollte ich diesen Blog-Eintrag erst in ein paar Wochen schreiben. Aber dann hat mir meine Freundin Janina etwas sehr Bewegendes erzählt:

Stell dir nur mal vor, du hast ein Haus, einen interessanten Job und eine liebevolle Familie. Dann ist Krieg. Den wolltest du natürlich nie, aber du steckst mittendrin. Eines deiner Kinder stirbt bei einem Bombenangriff. Schreckliche Angst. Du fliehst mit dem Rest deiner Familie. Hast einen gefährlichen und scheinbar ewigen Marsch hinter dir. Scham, Unsicherheit und ganz viel Angst. Und dann kommst du am Bahnhof in Österreich oder in Deutschland an und das erste, was du siehst, sind freundliche Gesichter und ein Plakat, auf dem steht: „Welcome!“.

Diese Vorstellung macht etwas mit mir. Meine Freundin hat mir erzählt, dass genau das gerade amBahnhof in München passiert. Es macht so einen Unterschied, ob du dich in den ersten paar Minuten willkommen fühlst oder nicht. Und ich könnte mir gut vorstellen, dass Jesus genau mit so einem Plakat auf dem Bahnhof stehen würde.

Die ersten vier Minuten …

… sind auch so entscheidend bei der Arbeit mit Gruppen von Kindern und Jugendlichen. Diese vier Minuten entscheiden, ob jemand sich wohl fühlt, sogar ob er wiederkommen wird. Auf jeden Fall aber, ob er oder sie sich geliebt und angenommen fühlt. Wenn ich mich mit einer Gruppe treffe, sei es für ein Wochenende, eine Probe, einen Spielenachmittag, … – dann sind mir diese ersten Minuten ganz wichtig und ich versuche auch, meinem Mitarbeiterteam diese Wichtigkeit zu vermitteln. Und für dich habe ich hier fünf Punkte gesammelt, wie man diese ersten vier Minuten ganz leicht positiv prägen kann:

  1. Bevor das erste Kind eintritt, beten wir für die Kids. Wir wollen ihnen mit einer segnenden und wohlwollenden Herzenseinstellung begegnen.
  2. Jedes Kind wird persönlich begrüßt – mit einem Lächeln und einem freundlichen Blick. Vielleicht sogar mit einer Süßigkeit, einer Überraschung, einem Getränk …
  3. Wir zeigen jedem Kind einen Platz, an dem es sein darf. Das kann sein Platz beim Essen sein, sein Schlafplatz, ein Platz im Kreis … – wichtig ist, dass es sich gleich sicher fühlt und weiß: Hier darf ich sein, ich habe einen Platz.
  4. Falls es eine Wartezeit zu Beginn gibt, suchen wir das Gespräch mit den Kindern. Wir erzählen ihnen irgendetwas Ermutigendes oder Lustiges. Keine Sorge: Auch wenn sie nur einsilbig antworten, sie werden trotzdem das liebevolle Bemühen bemerken.
  5. Wir lassen beim Ankommen fröhliche Lieder mit einer Willkommensbotschaft laufen oder singen sie gemeinsam mit den Kindern. Da passt zum Beispiel das KISI-Lied „He-ja-ho!“ (Track 12 auf der CD „Future Stars“) super, wenn man es im Hintergrund laufen lässt oder gleich mal singt: „He-ja-ho, du bist willkommen, He-ja-ho, bei uns bist du richtig! He-ja-ho, du bist uns wichtig. Wie schön, dass du heut da bist, wir freu’n uns über dich!“ Im heurigen Sommer machte ich die Erfahrung, dass mit der fröhlichen Melodie in Kombination mit den coolen Zusagen eine Atmosphäre der Freude aufgebaut wird.

Die ersten vier Minuten

Wahrscheinlich bist du kreativ und hast zur Gestaltung der ersten Minuten noch mehr Ideen. Das finde ich super! Ich wünsche mir von Herzen, dass viele Kinder und Jugendliche diese Erfahrung des „Willkommenseins“ machen dürfen. Denn leider haben ganz viele schon gegenteilige, traurige Erfahrungen gemacht …

Übrigens noch ein kleiner Hinweis zum Schluss:

Auch in der Familie sind diese ersten Minuten wichtig. Wenn meine Kinder von der Schule kommen, bemühe ich mich, kurz alles stehen und liegen zu lassen und zur Tür zu gehen. Sie zu umarmen, freundlich und segnend anzusehen. Einen Augenblick lang zu vermitteln: Du bist geliebt. Denn manchmal kann es hart sein „da draußen“ und dann tut es ihnen gut, sich willkommen zu fühlen. Das gelingt mir nicht immer. Aber ich versuche es immer wieder neu.

Und zum Schluss-Schluss:

Bei Gott sind wir immer willkommen! Keine Ahnung wie er es schafft, in jedem Augenblick jedem Menschen seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken – aber er ist ja Gott!

 

    • Piroska Kainrath
    • 25. Oktober 2015
    Antworten

    Danke Birgit, für diesen netten Blogeinstieg. Auch jetzt gibst du mir das Gefühl, des willkommen seins. Freu mich schon auf den nächsten Eintrag.
    LG. Piri

    • Agnes
    • 25. Oktober 2015
    Antworten

    Ja, du bist willkommen, schön dich zu sehen!
    Danke, dass du auch ansprichst sich Zeit dafür zu nehmen – gelingt mir leider auch nicht immer so wie ich’s mir vorgenommen habe – aber mit Gottes Hilfe wird’s immer öfter gelingen 🙂
    Danke für deinen Blog!
    Liebe Grüsse aus Wien, Agnes

    • maria
    • 25. Oktober 2015
    Antworten

    Danke für die wichtigen u liebevollen Worte!
    Gott segne euch weiterhin so!
    Alles Liebe maria

    • Sophia
    • 25. Oktober 2015
    Antworten

    Wohoo!

    • Lilli
    • 26. Oktober 2015
    Antworten

    Danke für deine wunderbaren Gedanken, die direkt vom Herzen kommen!! Werde sie an alle Mitarbeiter weiterleiten!! Sei gesegnet!! Lilli aus Würflach

    • Oma, Veronika
    • 26. Oktober 2015
    Antworten

    Danke, für die annehmende liebevolle Haltung Kindern gegenüber. Es freut mich besonders dies zu lesen.

    • Barbara
    • 26. Oktober 2015
    Antworten

    Danke Dir Birgit für die super Ideen. Danke Gott, dass es dich und die KISIs gibt!

    • Eva
    • 26. Oktober 2015
    Antworten

    Danke! Ich merke auch, dass die Zeit nach Schule/KIGA total wichtig ist – da zu sein und wenn es sich zeitlich/stundenplanmäßig ausgeht für jeden einzeln allein da zu sein.
    Danke für deinen Hinweis, er motiviert mich, dranzubleiben.

    • Janina
    • 26. Oktober 2015
    Antworten

    Birgit, du bist so ein Mensch, bei dem man sich generell immer willkommen fühlt. Sogar schon beim Lesen von deinem Blogeintrag! 😉

    • Dietlinde
    • 26. Oktober 2015
    Antworten

    Vielen Dank, werde ich mir merken für nächste Woche hier in Belgien! Danke für die Tipps!

    • Maria
    • 26. Oktober 2015
    Antworten

    wie wahr!

    • Maria
    • 27. Oktober 2015
    Antworten

    Vielen Dank! Durch diese wunderbare Geschichte und deine liebevollen Gedanken und wertvollen Tipps hast du mir einen sehr schönen Start in den heutigen Tag und mein kommendes Lebensjahrzehnt geschenkt. Eines der schönsten Geschenke zu meinem heutigen 40. Geburtstag.

    • Christine
    • 28. Oktober 2015
    Antworten

    Ja, das ist so wichtig.
    Unsere früheren Erfahrungen mit der Gemeinschaft Chemin Neuf können das voll bestätigen. Bei den Ehepaarwochen haben wir als Mitarbeiter uns immer sehr viel Mühe gegeben, die Paare gut zu empfangen. Es gab ein eigenes „Empfangsteam“, das begrüßte, die Zimmer zeigte, beim Tragen der Koffer half, Getränke und Knabbereien bereit stellte, etc. Bei den Rückmeldungen wurde dieses erste Stunde oft sehr positiv erwähnt. Ich denke, damit kann man die Tür für das, was Gott mit den Menschen in der nachfolgenden Zeit vor hat, bereits ein Stück öffnen.
    Natürlich ist das aber genauso wichtig für zuhause. Man vergisst so leicht…
    Vielen Dank Birgit, dass du das mal wieder so klar zur Sprache gebracht hast.

    • Theresia
    • 28. Oktober 2015
    Antworten

    Danke Birgit für deine äußerst wertvollen Tipps! Kann sie gut gebrauchen für unsere Schäfchenstunden. Du hast Recht, die ersten Minuten sind ausschlaggebend und das vorangegangene Gebet. Freu mich wieder von dir zu hören und wünsch dir Gottes starke Kraft!

    • Margret
    • 31. Oktober 2015
    Antworten

    Danke, Birgit, das bist Du,
    ganz echt,
    live!
    Mach so weiter! Wir können von Dir lernen!

    • Andrea Seiwald
    • 2. November 2015
    Antworten

    Bitte um updates per mail. Lg Andrea

      • Trixi
      • 3. November 2015
      Antworten

      Hallo liebe Andrea,
      Du hast dich schon im Newsletter eingetragen. Sobald ein neuer Bericht erscheint bekommst du dann eine E-Mail :).
      lg
      trixi

    • yasemin flaschberger-akin
    • 21. November 2015
    Antworten

    vielen lieben dank für deine wundervollen ideen. werde das gummibärligebet gleich im Alltag integrieren…
    glg yasemin

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Birgit Minichmayr

Ich bin Birgit, glückliche Ehefrau und Mutter von drei ganz verschiedenen, wunderbar-einzigartigen Kindern. Ich liebe es Teil der KISI-Family zu sein, auf Tour mit „Ruth“ zu gehen und die Schöpfung Gottes in ihren liebevollen Details zu bestaunen.