Beten mit Kindern

16. November 2015 , In: Familie, Feste und Rituale, Glauben, Leben, Pädagogik , With: 6 Comments
2

Gebet ist das Atemholen meiner Seele und zugleich eines der größten Rätsel meines Lebens. Ich hatte grade eine kleine Unstimmigkeit mit Gott. Geht es euch manchmal auch so? Ich bete nämlich grade für einen sehr kranken Familienvater. Bisher ist keine Nachricht über seine wundersame Genesung bei mir eingelangt. Deshalb war ich gestern echt sauer auf Gott, um ehrlich zu sein.

Heute Morgen im Auto dann, als ich meine Bitte um Heilung wieder vor Gott brachte, war mir, als ob eine leise Stimme in meiner Seele sagte: „Hab keine Angst, ich kümmere mich um ihn.“ Nun – ich bin mir nie ganz sicher, ob diese Stimme mein Unterbewusstsein ist oder wirklich Gottes Antwort. Ich bin da halt auch sehr kritisch. Trotzdem habe ich seitdem einen gewissen Frieden in mir. Eigentlich ein gutes Zeichen.

Mit Kindern beten

Und mit Fragezeichen wie diesen soll ich nun Kinder das Beten lehren. Super Aufgabe, Gott! Ich kann das doch selbst nicht gut genug … Und noch während ich das schreibe, weiß ich, was Gott zu diesen Gedanken sagt: „Mein Kind, ich liebe dich, und es geht nicht darum, dass du es gut kannst. Es geht darum, dass du in Beziehung zu mir bleibst.“ Habt ihr übrigens auch einen Klo-Kalender mit weisen Sprüchen und schönen Bildern? Ich schon. Heute steht da: „Beten heißt nicht viel reden, sondern viel lieben.“ (Therese von Lisieux) Aha. Passt irgendwie. Danke, Gott.

Mit Kindern beten – das bedeutet vor allem, sie in einer gewissen Weise teilhaben lassen am eigenen Gebetsleben. Nicht, dass ich ihnen jeden meiner Zweifel offenbaren muss und alle meine Fragen. Aber ich bin für Offenheit anstatt Fassade. Gerade in einem Fall wie oben beschrieben, würde ich das einem kleinen Kind vielleicht so beschreiben: „Weißt du, ich bete grade oft für einen Papa, der sehr krank ist. Ich bete, dass Gott ihn wieder gesund macht. Gestern war ich dann mal richtig wütend auf Gott. Weil der Papa immer noch krank ist. Aber dann habe ich irgendwie gewusst, dass Gott zu mir sagt: …“ Und so weiter. Kinder beobachten uns. Sie spüren, wie es in unseren Herzen und mit unseren Gefühlen ausschaut. Wenn sie echt beten lernen sollen, dann müssen sie an uns sehen, wie das geht. Dann darf ein Gebet auch mal gestottert sein (Ist sogar manchmal besser, das relaxt die anderen!), oder ratlos, oder voller Fragen, oder auch mit unbändiger Freude. Hauptsache echt.

Arten des Gebets

Leichter als das Fürbittgebet ist natürlich das Dankgebet und der Lobpreis.

Es gibt so viele Gründe dankbar zu sein und es ist eine schöne Gewohnheit, Gott im Alltag immer wieder zu danken. Das kann mit Worten sein, mit einer Zeichnung, mit einem Lied. Eigentlich ist es natürlich eine Grundhaltung – eine gesunde noch dazu. Kinder machen da erfahrungsgemäß schnell mit.

Lobpreis ist schon etwas anspruchsvoller, da es ja darum geht, Gott um seiner selbst willen zu loben und anzubeten. Das gelingt am besten mit kurzen, knackigen Sätzen und kindgemäßen Lobpreisliedern.

Zwei konkrete Tipps

Zwei Punkte über das Beten mit Kindern würde ich euch heute noch gerne mitgeben:

1. Gebetsrituale im Alltag

Die helfen ungemein. Sie vermitteln Sicherheit und tragen euch mit Gott durch den Tag:

  • Gebet am Morgen (z.B. beim Aufwecken: sich kurz ans Bett setzen und beten: „Danke, Gott, für mein Leben. Danke, dass ich nun aufstehen darf. Ich freue mich auf …“)
  • Gebet vor jedem Essen (frei oder vorformuliert)
  • Segnen vor dem Weggehen (ein kleines Kreuz auf die Stirn machen und „Der Herr segne dich“ sagen)
  • Beten mit dem Kind beim Gute-Nacht-Sagen am Bett

 

2. Kreativ Beten

So macht es richtig Freude!

Das Gummibärchengebet:

Gummibärchen werden in die Mitte gelegt, ein Tuch darüber. Wir machen uns ungefähr Folgendes aus:

GummibaerchenRot bedeutet: Gott danken
Gelb bedeutet: Fürbitte für bestimmte Menschen
Grün bedeutet: Gott preisen („Gott du bist so heilig, so groß, so mächtig, … ich preise dich!“)
Orange bedeutet: Fürbitte für andere Länder
Weiß bedeutet: für mich selbst beten in einem Anliegen

(Es mag hilfreich sein, sich das auszudrucken.)

Dann wird reihum gezogen, je nach Farbe laut gebetet und dann das Gummibärchen gegessen, während der nächste an der Reihe ist. Kommt echt gut an! 🙂

Gebet mit Psalm 139:

So gut wie möglich Teile des Psalms auswendig lernen. Oder jeder hat die Bibel aufgeschlagen vor sich.

Einer setzt sich in die Mitte. Die anderen beten als Zusage einzelne Verse aus Psalm 139 und sagen sie demjenigen zu. (z.B. „Klara, Gott kennt dich durch und durch.“ „ Klara, ob du gehst oder liegst, Gott sieht dich.“ „Klara, Gott hält seine schützende Hand über dir.“) Wenn das Kind in der Mitte es möchte, können wir ihm oder ihr auch die Hände auflegen.

Vielleicht hast du eine kreative Gebetsidee, mit der du gute Erfahrungen gemacht hast? Dann schreib doch bitte einen Kommentar und teil sie mit uns!

Übrigens:
Neben dem Klokalender haben wir auch einen Kalender mit Kinderzitaten:

„Bettina (4) hat im Kindergottesdienst ein Lied übers Danken gelernt. Daheim singt sie uns das Lied vor und fragt anschließend ihre sechs Monate alte Schwester: ‚Christine, hast du heute schon für deine Pampers gedankt?’“ (Nelli Adrian)

    • Erika
    • 16. November 2015
    Antworten

    Eine Idee, die mir bei den Kisi-Gebetsstationen immer gefällt ist der „Danke-Baum“: Auf einem Plakat sind die Äste von einem Baum (mehr oder weniger realistisch) abgebildet. Kinder können Blätter dazumalen und reinschreiben bzw. -zeichnen, wofür sie dankbar sind.
    Der Brief an Gott ist auch sehr beliebt: einfach auf einen Zettel schreiben oder zeichnen. Das Kind kann sich den Brief behalten, oder wenn man am Meer oder bei einem See ist, kann man daraus ein Papierschiff falten und es zu Gott segeln lassen, oder das Papier um einen Stein wickeln und versenken.

      • Birgit
      • 24. November 2015
      Antworten

      Danke für deinen Beitrag! ICh finde diese zwei Ideen auch gut! LG Birgit

    • eva schwaiger
    • 20. November 2015
    Antworten

    Seit Wochen denke ich darüber nach wie ich mich selbst auf das heurige Weihnachtsfest, und wie wir uns in Micheldorf mit unseren rund 40 Flüchtlingen auf die Zeit des Advents und den Hl. Abend vorbereiten bzw. wie wir damit umgehen, wie können wir die Chanze nützen Gottes frohe Botschaft mitzuteilen. Ich hab mir so gewünscht die KISIS kämen und würden mir das abnehmen. Nun durch deine guten Gedanken,liebe Birgit und durch das GEBET fühle ich mich bestärkt und ermutigt. Gottes Hl. Geist ist ausgegossen, er wird uns helfen alles recht und gut zu planen und auch auszuführen. Bitte betet für uns in Micheldorf. Danke!

      • Birgit
      • 24. November 2015
      Antworten

      Liebe Eva,
      danke für dein liebevolles Herz mit dem du alle Menschen an-und-aufnimmst! Du bist mir in vielem ein großes Vorbild! Eine gesegnete Adventszeit dir und allen die mit dir sind! Birgit

  1. Liebe Birgit

    Das mit dem Gummibärchen-Gebet hat mich so begeistert und ich wollte es unbedingt bei uns in der Gemeinde ausprobieren
    Also habe ich es letzte Woche gemacht und die Kinder (Alter 6-8 Jahre) waren so begeistert,dass ich sie kaum stoppen konnte Ich denke das werden jetzt mehrere in der Gemeinde machen
    Vielen Dank dafür
    Angelika

      • Birgit
      • 1. Dezember 2015
      Antworten

      Das freut mich echt! Ich bin mir sicher, dass Gott alle Kindergebete mit großer Achtsamkeit und Liebe hört.

Schreib uns was du denkst

Birgit Minichmayr

Ich bin Birgit, glückliche Ehefrau und Mutter von drei ganz verschiedenen, wunderbar-einzigartigen Kindern. Ich liebe es Teil der KISI-Family zu sein, auf Tour mit "Ruth" zu gehen und die Schöpfung Gottes in ihren liebevollen Details zu bestaunen.