Starke Stimmen – Gesangsübungen mit Kindern

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Hallo ihr Lieben,

Marlis Birkner, die schon jahrelang bei KISI dabei ist und eine wunderbare Stimme hat, studiert inzwischen Gesangspädagogik und ist daher genau die Richtige, um uns allen ein paar kompetente Tipps zu geben, wie man am besten Gesangsübungen oder Einsingübungen mit Kindern machen kann. Herzlichen Dank dafür, Marlis, da werden sicher viele Kinderstimmen noch besser und schöner erklingen!

Gesangsübungen – warum eigentlich?

Wenn wir singen, ist der Körper unser Instrument.  So wie Läufer sich vor einem Lauf aufwärmen, muss man auch Körper und Stimme vor dem Singen (und eigentlich auch vor längerem Sprechen) aufwärmen. Einsingübungen helfen außerdem, ein Bewusstsein für sich und seine Stimme zu bekommen. Und man kann mit ihnen Intonation, einheitliche Aussprache und Vokalbildung trainieren und seinen Stimmumfang erweitern – also üben, besonders hohe oder tiefe Töne müheloser zu erreichen. Einsingen ist immer auch gleichzeitig Stimmbildung. Wir können unsere Stimme ja nicht von außen bearbeiten und greifen deswegen zu Hilfsmitteln: Bilder, Bewegungen, Gefühle, Gerüche, … – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt! Indem man sich während des Singens ein Bild oder eine Bewegung vorstellt, beeinflusst man den Klang der Stimme und auch Ansatz und Stimmsitz.

Beim Singen mit Kindern ist es wichtig, nicht zu tief anzustimmen und zu singen. Als Norm gilt: Ungefähr c1–d2 ist eine sehr gute Lage. (Natürlich kann man auch höher und tiefer gehen, aber nicht ständig.)

Beispielablauf

Grundsätzlich gibt es drei Bereiche, die es aufzuwärmen gilt: Körper, Atmung und Stimme – am besten gleich in dieser Reihenfolge! Ich stelle euch hier mögliche Übungen für jeden Bereich vor, die sich so ganz gut bewährt haben. Ihr könnt aber die Übungen in allen möglichen Variationen, mit verschiedenen Konsonanten und Vokalen singen. Seid kreativ! Einsingen kann darf und soll auch Spaß machen und die Lust und Freude am Singen wecken! 🙂

1. Der Körper

Wir beginnen mit ein paar Lockerungs-,  Entspannungs- und Aufwärmübungen:

  • Strecken und „Äpfel pflücken“, dabei herzhaft gähnen
  • Körperteile ausschütteln (auch gut für zwischendurch, wenn die Kinder müde oder unkonzentriert sind; kann lustig gestaltet werden)
  • „Hühnchenflügel“ machen – wie als hätte man an die Ellenbogen Stifte gebunden und würde, nach hinten beginnend, Kreise zeichnen (Das öffnet den Brustkorbbereich)
  • Mit dem Knie den jeweils gegenüberliegenden Ellenbogen berühren
  • Dehnübungen bzw. Auf-der-Stelle-Laufen
  • Den ganzen Körper sanft abklopfen (dabei kann man sich vorstellen, einen riesigen Kaugummi im Mund zu haben, der sehr lecker schmeckt – und dann Kaubewegungen mit einem „genussvollen“ Summton oder auf „a“ machen)

2. Die Atmung

Atemübungen helfen, den Atemstrom gleichmäßig zu dosieren, das Zwerchfell zu lockern und aktiv einzusetzen und sie trainieren die gestützte Tiefenatmung (Atmung in den Bauch und die Flanken) und die reflektorische Atmung (das heißt, wenn die Luft ausgeht, hat der Körper einen „Lufthunger“ und holt sich, wenn man den Mund öffnet, die Luft von selbst).

  • Wir atmen tief ein- und aus und lassen beim Ausatmen den Körper nach vorne baumeln und atmen „in den Rücken“ (sprich: Wir versuchen die Luft bis in die Flanken zu bekommen). Andere Möglichkeit: Hinhocken und irgendwo festhalten, in dieser Position tief atmen, um eine imaginäre Wand hinter sich wegzudrücken.
  • Wir drücken beim Einatmen einen imaginären Wasserball unter Wasser, gegen den Wasserwiderstand. Beim Ausatmen geht er ohne Widerstand wieder nach oben. (Das hilft dabei, mit der Atmung tief zu kommen.)
  • Wir atmen ein und ziehen beim Ausatmen auf ein weiches, stimmhaftes „s“, „w“ oder „f“ ziehen wir ein imaginäres Terraband in die Länge. Wenn die Luft aus ist und man den „Lufthunger“ spürt, lässt man das Terraband mit einem „t“ aus. So wie es sich automatisch zusammenzieht, lassen wir die Luft einfach von selbst einströmen. (Das nennt sich „reflektorische Atmung“.)
  • Wir atmen auf ein stimmhaftes „s“, „w“ oder „f“ auf einer angenehmen Tonhöhe aus und ziehen dabei einen dünnen Faden (der auf Augenhöhe eine Armlänge von uns entfernt ist) auf uns zu, an dem ein schwerer Stein befestigt ist. Damit der Faden nicht reißt, müssen wir vorsichtig und gleichmäßig ziehen. Wir achten darauf, den Atemstrom gut zu dosieren und den Ton leise und gleichmäßig zu halten.
  • Wir blasen imaginäre Kerzen aus, die auf unseren Fingerspitzen sitzen, pusten Seifenblasen in die Luft oder blasen Staub weg (für kurze Impulse aufs Zwerchfell).

3. Die Stimme

Sanfter Stimmeinsatz

Wir beginnen damit, die Singstimme vorsichtig zu gebrauchen. Das tun wir durch Summen und leichte Glissandi (d.h. sehr stark von einem Ton zum anderen schleifen).

  • Wir öffnen eine imaginäre Tür und atmen dabei gespannt-vorfreudig ein. Hinter der Tür sehen wir eine wunderbare Überraschung (schöner Christbaum, Überraschungsgäste, …) und atmen mit einem glücklichen Seufzer (von hoch nach tief) aus. Ein paar Mal wiederholen.
    (Anderes Bild: Wir öffnen einen Kochtopf und riechen ein leckeres Essen)
  • Leichte Glissandi: von hoch (Kopfklang) nach tief und umgekehrt: Man singt also einen hohen Ton, lässt ihn mit Glissando nach unten gleiten und hält ihn dann in einer bequemen Lage (Mittellage) aus.
    (Bild: Wir „pflücken“ Töne von der Decke und präsentieren sie den anderen stolz auf offener Handfläche)
  • Wir klopfen mit den Fingerkuppen leicht auf den Brustkorb und singen dabei ein tieferes „ä“. Dann halten wir die Hände hoch, schütteln sie und singen dabei ein hohes „u“. (Beide Übungen abwechseln, unterschiedlich lang und kurz)
  • Von Summübungen bzw. Melodien in einer angenehmen Lage gehen wir mit viel Legato in geschlossene Vokale über („ü“, „o“). Zunehmend längere, auf- und absteigende Tonfolgen und offenere Vokale („a“, „ä“, „e“, „i“).
Kombinierte Stimmübungen

Diese Übungen trainieren den Stimmumfang, die Vokalbildung und den Lagenausgleich. In der Gruppe ist es wichtig, so viele verschiedene Vokale wie möglich anzusingen, damit für jeden etwas dabei ist und sich jeder bei einer Übung wohlfühlt. Diese Übungen können mit beliebigen Vokalen durchgeführt werden und sollen in Halbtonschritten höher/tiefer gehen:

  • „Wewawewawo“: Dreiklang im Legato zerlegen auf „we–wa-wo“ oder „dui-dui-dui“ (Bild: währenddessen wieder ein Terraband in die Länge ziehen)

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  • „Bli-bla-Blumenduft“: Lippen lockern, beim „bli-bla“ wirklich locker sein im Kiefer (Bild: Wir riechen, dass der Frühling kommt, und erzählen es begeistert den anderen weiter)

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  • „Ja du!“: Mit Schwung auf das „du“ hin singen. Auch möglich: So-So-Son-ne. (Bild: ein Jojo oder einen Gummiball, der immer wieder zurückkommt und das letzte Mal einen großen Bogen macht)

bild 3

  • „Junge, Junge“: Auch möglich: Wange, Zunge, Zange, lange, Menge, Sonne. (Diese Übung ist leider falsch notiert: Statt Achteln sollten Triolen gesungen werden.)

bild 4

  • „Wi“: Bei der Übung sollten zwischen den Tönen beim „i“ kein „h“ hineinrutschen – also nicht „wi-hi-hi“. Wichtig ist auch, dass man die oberen Töne (die Sechzehntelnoten) ganz leicht, mit viel Kopfklang, singt und sie im Schwung quasi mitnimmt – einfach nicht zu wichtig nehmen. Es ist gut, diese Übung mit unterschiedlichen Vokalen zu singen,  also z.B. „wu“, „wo“, oder auch auf „ja“ usw.

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  • „Nanana“

bild 6

  • „Johoho“: Mit viel Impuls, fast lachend (Bild: im Topf etwas Dickflüssiges umrühren)

bild 7

Wer Lust auf mehr hat, kann unter folgendem Link weitere, meines Erachtens nach ganz gute und nette Übungen und Ideen finden:

Einsingübungen von Kurt Müller Klusman
Einsinggeschichten vom Beethoven-Haus Bonn

Quellen:

„Das Praxisbuch der Chor Warm-Ups“ – Sally K.Albrecht; „200 Einsing-Übungen“ – Klaus Heizmann
„Chor kreativ – Singen ohne Noten“ – Michael Betzner- Brandt; „Stimmbildung im Lied“ – Adolf Rüdiger

 

    • Marlen
    • 4. Oktober 2016
    Antworten

    DANKE Marlies! Das werden wir gleich beim nächsten Club ausprobieren.
    🙂 Grüße aus Trumau! Marlen

    • Friedemann
    • 9. November 2017
    Antworten

    MEINT ihr bei 2. wirklich auf Ton EINATMEN? (Wir atmen auf ein stimmhaftes „s“, „w“ oder „f“ auf einer angenehmen Tonhöhe ein und ziehen dabei einen dünnen Faden (der auf Augenhöhe eine Armlänge von uns entfernt ist) auf uns zu, an dem ein schwerer Stein befestigt ist. Damit der Faden nicht reißt, müssen wir vorsichtig und gleichmäßig ziehen. Wir achten darauf, den Atemstrom gut zu dosieren und den Ton leise und gleichmäßig zu halten.)
    Das scheint eine recht komplexe Übung zu sein und wohin dann mit der Luft? Doch wohl eher AUSatmen auf Ton.

      • Janina Hofmann
      • 9. November 2017
      Antworten

      Hallo Friedemann,
      du hast Recht, da ist natürlich Ausatmen gemeint! Dem geht hoffentlich ein Einatmen voran! 🙂 Wir werden das gleich ausbessern.
      Liebe Grüße
      Janina

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Birgit Minichmayr

Ich bin Birgit, glückliche Ehefrau und Mutter von drei ganz verschiedenen, wunderbar-einzigartigen Kindern. Ich liebe es Teil der KISI-Family zu sein, auf Tour mit „Ruth“ zu gehen und die Schöpfung Gottes in ihren liebevollen Details zu bestaunen.